Menschenrechtsfilme

Politische Bildung am Labenwolf

  

5 Broken Cameras 

Wie schon die letzten Jahre zuvor, konnten auch dieses Jahr die Schüler der 9. und 10. Jahrgangsstufe zwei renommierte Menschenrechtsfilme ansehen, was das Schulprojekt OPEN EYES ermöglicht hat.

Wir, die 10. Jahrgangsstufe, besuchten den im Vorjahr für den Oscar nominierten Dokumentarfilm „5  Broken Cameras“. Dieser Film zeigt den schon seit Jahrzehnten andauernden Konflikt zwischen Israel und Palästina (Nahostkonflikt) anhand der palästinensischen Familie Burnat, die in ihrem Heimatdorf, wie die anderen Dorfbewohner auch, mit dem Konflikt, den vor allem das Ansinnen auslöste, eine hohe Mauer zwischen Israel und Palästina zu bauen, die ihnen viel Land mit Ölbäumen wegnehmen würde, Tag für Tag, von Stunde zu Stunde mehr, konfrontiert werden.

 Im Jahr 2005 wird der jüngste Sohn von Emad Burnat geboren. Aus diesem Anlass schafft er sich eine Kamera an, wobei zeitgleich Israel mit dem Bau der jetzt leider schon fertiggestellten Grenzmauer beginnt, die nahe seines Heimatdorfes Bil`in verläuft. Die Bauern protestieren dagegen, friedlich wohlgemerkt, indem sie sich in selbst gebauten Hütten auf ihrem Ölbaum-Land aufhalten, um zu verhindern, dass die Bagger die uralten Olivenbäume herausreißen. Immer als Kameramann mit von der Partie ist Emad Burnat. Während dieser langen Periode von Protesten sieht man deutlich, wie sich die Stimmung im Dorf und der Region verändert, was Emad Burnat natürlich alles auf seiner Kamera festhält. Fünf Jahre insgesamt filmt er sowohl die Demonstranten als auch das Heranwachsen seines Sohnes. Dabei bekamen wir genau zu sehen, wie immer mehr Menschen, die Emad nahe stehen, Opfer von spontanen Verhaftungen und Angriffen von Seiten der israelischen Siedler und der Armee werden. Bis diese Gewalttaten schließlich ihren Höhepunkt im Tod eines Hauptaktionärs der Proteste finden. Emads Kamera wird immer wieder zerstört, beispielsweise durch scharfe Munition oder Granaten. Sie hat ihm also durchaus in der einen oder anderen Situation das Leben gerettet. Am Ende kommt Emad auf insgesamt fünf Video-Kameras, von denen jede einzelne für ein Kapitel des palästinensischen Widerstandes steht. Anhand dieses Video-Tagebuches wird die subjektive Sicht der Palästinenser vermittelt. Gleichzeitig bekamen wir der jedoch auch die allgegenwärtige Bedrohung durch die israelische Siedlungspolitik zu spüren, der die Palästinenser von Tag zu Tag aufs Neue ausgesetzt sind.

Anschließend fand noch ein Interview mit Guy Davidi, einem der beiden Regisseure, via Skype statt. Nach anfänglichen technischen Problemen, war er dann auch zu sehen. Guy stellte sich geduldig den vielen Fragen der Schüler. Es war sehr interessant jemanden zu sprechen, der selbst vor Ort war und so nochmal eine komplett andere Sicht auf die Dinge hat als wir Schüler. Wir erfuhren zum Beispiel, dass Guy Davidi selbst während der Produktion des Filmes für eine kurze Zeit im Gefängnis saß. Auch erzählte er, dass die israelischen Söldner und Soldaten vor rein gar nichts Skrupel hätten, was auch deutlich im Film zu sehen war. So schossen sie mit scharfer Munition oder feuerten einen Hagel von Granaten mitten in die protestierende Menge, wobei diese wohlgemerkt friedlich protestierte. 

„5 Broken Cameras“ hat mir in vielen Bereichen sehr imponiert, denn ich hatte zeitweise wirklich das Gefühl, bei einer der Demonstrationen mit zu laufen, was für eine Dokumentation ein Ritterschlag ist, denn das bezwecken sie ja. Des Weiteren hat mich der Mut von Emad und Guy in höchstem Maße beeindruckt. Ich hätte es nicht fertig gebracht zu filmen, wenn einen Meter neben dir, ein dir bekanntes Gesicht erschossen oder schwer verletzt wird und das auch noch über einen Zeitraum von fünf Jahren. Ich kann mir daher nur wünschen, dass der schon viel zu lang andauernde Nahostkonflikt bald sein Ende findet, obwohl ich mir auch eingestehen muss, dass dieser Wunsch eher Utopie als ein realistischer Gedanke ist.    

Lorenz Koch, 10b

 


 

 

First Class Asylum

Wie jedes Jahr hatten auch dieses Jahr zwei Jahrgangsstufen die Gelegenheit Menschenrechtsfilme anzusehen, die im Rahmen des OPEN EYES-Schulfilmfestivals angeboten wurden. 

So besuchten wir, die neunte Jahrgangsstufe, am 9.10. den Dokumentarfilm First Class Asylum. In diesem geht es um eine Gruppe von über 100 Asylbewerbern aus den verschiedensten Ländern, die im Juni 2013 auf dem Münchner Rindermarktplatz die Nahrungs- und einige Tage später sogar die Flüssigkeitsaufnahme verweigerten, um nachdrücklich Asyl zu fordern und auf ihre unglückliche Lebenssituation hinzuweisen. Die Aktion dauerte über eine Woche und wurde am Ende von Polizei und Rettungsdienst aufgelöst, da sich mehrere der Streikenden in Lebensgefahr befanden. Jene waren auch nicht bereit, ihren sogenannten „ trockenen Hungerstreik“ aufzugeben. Dennoch waren sie erfolgreich: Ungefähr ein Viertel der Streikenden bekamen in der Folge sogenanntes „First Class Asylum“, also einen deutschen Pass mit allen darin eingeschlossen Rechten, zugesprochen. 
Die Berichterstatter waren stets vor Ort und sogar mitten in den ansonsten abgeriegelten Zelten, in denen die Flüchtlinge lebten. So hörte man nicht nur die Forderungen, die über den Pressesprecher mitgeteilt wurden, sondern bekam auch nachhaltige Eindrücke über die Menschen, die so große Angst haben, zurück in ihr Land geschickt zu werden, und viel dafür riskieren, in Deutschland bleiben zu dürfen. Leider hatten dafür viele der gefilmten Passanten keinerlei Verständnis. Sie waren teilweise aggressiv und sehr fremdenfeindlich. Dies machte alles sehr anschaulich.                                                          
Zusätzlich erzählten nach dem Film vier geladene Asylbewerber aus Afghanistan und dem Irak, die nun in Nürnberg leben, ihre Lebensgeschichte und stellten sich den Fragen der Jugendlichen, die sie offen und ehrlich beantworteten. Dies offenbarte Tatsachen, die der Mehrheit der Schüler bislang noch unbekannt gewesen waren, wie z.B die schlechten Lebensbedingungen der Flüchtlinge oder den Fakt, dass viele Menschen mehrere Jahre lang vergeblich auf Asyl warten, geduldet werden, obwohl sie schon sehr lange in Deutschland leben. Auch dies war sehr eindrücklich, so dass man sich alles noch besser vorstellen konnte. Ein kleines Problem stellte allerdings die Kommunikation dar: Zwei der vier Asylbewerber sprachen gar kein Deutsch, so dass die anderen beiden übersetzen mussten. So konnte man der Kernaussage meistens gut folgen, so dass man das Wichtigste mitbekam. Was bleibt, ist eine tolle Vorführung, die vielen vielleicht die Augen geöffnet oder zumindest geholfen hat, die Probleme der Flüchtlinge besser zu verstehen.  

 


 

 

Filmabend des P-Seminars "Menschenrechtsfilme" zum Thema Nahostkonflikt

Wie jedes Jahr setzte sich das P-Seminar „Menschenrechtsfilme“ unter der Leitung von Frau Pilny auch dieses Schuljahr mit einem aktuellen Thema auseinander – dem Nahostkonflikt.

Woche für Woche arbeiteten wir verschiedene Filme durch, welche für unseren geplanten Filmabend infrage kämen. Anders als stets von den Medien präsentiert, beschäftigte sich das Seminar in diesem Falle damit, einen Film mit einem klaren Statement zu finden. Es sollte kein Film sein, der einen Ausgleich an Schuld oder Unschuld bietet. Es sollte ein Film sein, welcher die wahren Ereignisse in dem Krisengebiet Palästina und Israel schildert.

Schließlich fiel die Entscheidung auf den 2011 erschienenen Dokumentarfilm mit dem Titel „Five Broken Cameras“ - um die es in diesem Film auch ging. Der unter der Regie des Palästinensers Emad Burnat und des Israelis Guy Davidi entstandene Film beschreibt den Protest der palästinensischen Dorfgemeinschaft Bil'in gegen den Bau einer Mauer, welche die israelischen Siedlungen von den palästinensischen abgrenzen würde –  das Land aber, auf welchem die Mauer gebaut wird, gehört schon seit mehreren Generationen den dort lebenden Palästinensern. Es ist eine Geschichte des Protestes, welcher über fünf Jahre andauert und durch die Linsen verschiedener Kameras vom Protagonisten miterlebt wird – denn immer wieder gehen die Kameras durch die Auseinandersetzungen der friedlichen Demonstranten auf der Seite des palästinensischen Dorfes und der bewaffneten israelischen Truppen zu Bruch.

Als die Entscheidung gefallen war, begann die Planung des Filmabends. Unterstützung erhielten wir bei einer Einordnung der Geschehnisse außerdem durch zwei Referenten – dem Anfang der 80er Jahre aus dem Libanon geflohenen Mohammed Abboud, welcher nun seit über 30 Jahren in Deutschland lebt, und Andreas Grünwald, der mit einer Hilfsorganisation sehr viel im palästinensischen Raum unterwegs ist. Am 23.März um 19:00 Uhr fand der Filmabend denn auch in C23 statt. Eröffnet wurde er durch vier Referenten aus den Schülerreihen, welche den Zuschauern in knapper Form die Geschichte des Nahostkonfliktes schilderten. Anschließend wurde der Film gezeigt, woraufhin das P-Seminar die Zuschauer zu einer Diskussion einlud.

Die Meinungen waren kontrovers –ein Zuschauer meinte, der Film sei nicht objektiv gewesen und hätte die Geschehnisse im Nahen Osten nur einseitig dargelegt. Hier war der Widerspruch aus dem Publikum groß. Die Intention des Seminars unter der Leitung von Frau Pilny war ja auch nicht, das übliche „et-et“, sondern die eine geschundene Seite zu zeigen, ein starkes Bild vom Unrecht, das der palästinensischen Bevölkerung zugefügt wird, zu zeichnen. Es sollte ein durchaus provokativer Anschub sein, sich mehr mit dem Thema zu beschäftigen, eine Meinung zum Thema zu bilden, sich des Problems, welches der Nahe Osten darstellt, gewahr zu werden.

 Sascha Avrutina

 

 

 

Aktuelle Seite: Home Politische Bildung Menschenrechtsfilme